Kafka und Griechenland

Autor/innen

  • Katerina Karakassi
  • Nikolaos-Ioannis Koskinas
  • Stefan Lindinger (ed.)

DOI:

https://doi.org/10.26247/lexis.2914

Abstract

Der vorliegende Band dokumentiert zentrale Beiträge der internationalen wissenschaftlichen Konferenz „Kafka und Griechenland“, die am 18. und 19. Juni 2021 an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen stattfand. Ziel der Konferenz war es, ein bislang nur fragmentarisch erschlossenes Forschungsfeld systematisch zu öffnen und die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Franz Kafkas Werk und dem kulturellen, literarischen sowie ideengeschichtlichen Kontext Griechenlands in ihrer Komplexität sichtbar zu machen.

Ausgehend von der Beobachtung, dass Griechenland-Bezüge in der Kafka-Forschung zwar punktuell präsent sind – etwa in Bezug auf mythische Figuren wie Odysseus, Prometheus oder Poseidon, auf philosophische Traditionslinien oder auf Kafkas humanistische Bildung –, bislang jedoch keine umfassende Kontextualisierung erfahren haben, versteht sich der Band als Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke. Gleichzeitig wird auch die bislang unzureichend untersuchte Rezeptionsgeschichte Kafkas in Griechenland in den Blick genommen, die sich sowohl durch eine bemerkenswerte Vielfalt an Übersetzungen als auch durch eine intensive künstlerische Aneignung seines Werks auszeichnet.

Die Beiträge des Bandes lassen sich in zwei zentrale thematische Schwerpunkte gliedern: Zum einen werden Kafkas Texte im Spannungsfeld antiker Mythen, philosophischer Diskurse und moderner Ästhetik analysiert. Dabei zeigen die Studien, wie Kafka klassische Stoffe nicht einfach rezipiert, sondern transformiert, dekonstruiert und in ein produktives Spannungsverhältnis zur Moderne setzt. Insbesondere die Auseinandersetzung mit der platonischen Ontologie, der Mythoskritik sowie der Dialektik von Vernunft und Mythos eröffnet neue Perspektiven auf die poetologische Struktur seines Werks. Zum anderen widmet sich der Band der Rezeption Kafkas in Griechenland, wobei literarische, filmische und künstlerische Aneignungen ebenso berücksichtigt werden wie intertextuelle Bezüge zur neugriechischen Literatur. Die Analysen verdeutlichen, dass Kafkas Werk insbesondere in Krisenzeiten als interpretatives Instrumentarium zur Reflexion politischer, gesellschaftlicher und existenzieller Fragestellungen dient und somit eine anhaltende Aktualität besitzt.

Insgesamt versteht sich der Band als interdisziplinärer Beitrag zur internationalen Kafka-Forschung, der nicht nur neue inhaltliche Perspektiven eröffnet, sondern zugleich die Notwendigkeit einer transkulturellen und vergleichenden Literaturwissenschaft unterstreicht. Durch die Verbindung von werkimmanenten Analysen, rezeptionsästhetischen Zugängen und kulturhistorischen Kontextualisierungen leistet die Publikation einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung des literaturwissenschaftlichen Horizonts im Spannungsfeld von Kafka und Griechenland.

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Veröffentlicht

2026-04-06

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