Dürrenmatt: die alte Dame und die neue Gegenwart

Autor/innen

  • Christos Karypiadis

DOI:

https://doi.org/10.26247/lexis.2920

Abstract

Der Aufsatz ist eine kurze Analyse von Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, die sowohl die Instabilität der menschlichen Natur als auch die Transformation humanitärer Ideale in praktische Notwendigkeiten hervorhebt. Das Stück, das als ‚tragische Komödie‘ charakterisiert wird, schildert eine Konfrontation zwischen den verarmten Einwohnern von Güllen und der wohlhabenden Rückkehrerin Claire, die Fragen zur Gerechtigkeit aufwirft. Claires Rückkehr wird zunächst als Chance auf Gerechtigkeit gesehen, offenbart jedoch allmählich ein verzerrtes Verständnis, das eng mit ihrem Racheplan gegen Ill verbunden ist. Die Erzählung spiegelt eine zunehmende moralische Korruption innerhalb der Gemeinschaft wider, in der die Erwartung von Reichtum ethische Überlegungen überlagert. Dürrenmatt kritisiert die Unzulänglichkeit der klassischen Tragödie in einer bürokratischen Welt und legt nahe, dass der distanzierende Humor der grotesken Komödie unerlässlich ist, um der tragischen Natur des Daseins gerecht zu werden. Das Stück greift zeitgenössische gesellschaftliche Fragen auf und regt zur Reflexion darüber an, wie wirtschaftlicher Druck moralische Grenzen formt, wodurch Dürrenmatts Werk sowohl im Nachkriegs- als auch im modernen Kontext relevant bleibt, insbesondere im Hinblick auf Fragen der Globalisierung und kollektiven Schuld.

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Veröffentlicht

2026-04-08

Ausgabe

Rubrik

Άρθρα